Stadthalle
Zerbst/Anhalt
  barock und stilvoll
 

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Ein erhaltenes Zeugnis barocken Lebens am fürstlichen Hof ist die ehemalige Reitbahn. Das größte Nebengebäude im Schlossgarten ist Ausdruck des Luxus´, den sich die Zerbster Fürsten leisteten. Denn dieses Haus diente ursprünglich fast nur für Reitdarbietungen. Fürst Johann August von Anhalt-Zerbst gab 1724 den Auftrag zur Errichtung der Reitbahn.


 
  Mit den Planungen und der Ausführung wurde der Hofbaumeister Johann Christoph Schütze betraut. Im Rohbau war das großzügige Gebäude 1726 fertig, anschließend begann der innere Ausbau. Die ersten Planungen sahen für den Innenraum keine Stuckverzierungen vor. Doch die einfache, mit Brettern verschalte Decke genügte den fürstlichen Ansprüchen nicht. Es erging an die Meister Trebeßky und Schmidt der Auftrag zur Ausführung der Stuckarbeiten nach Schützes Plänen, die von 1728 bis 1732 erfolgten. Da Säulen oder Pfeiler in einer Reitbahn stören würden, musste Schütze eine frei tragende Decke projektieren, die den gesamten Raum überspannte. In der Entwicklung einer solchen bestand seine besondere Meisterleistung. Die geniale Konstruktion des Dachstuhls war für spätere Architektengenerationen beispielgebend. In der Mitte der Decke befindet sich eine große Empore, die besonders reich verziert ist. Hier spielten einst Musiker der fürstlichen Kapelle auf. Die weite Öffnung hatte noch eine andere Aufgabe zu erfüllen. Sie diente gleichzeitig dem Abzug von Staub, der beim Reiten entstand, und der Ausdünstungen der Pferde.

An der Nordseite, etwas erhöht, befindet sich die ehemalige Fürstenloge, zu der eine kleine Wendeltreppe führt. Aus den beiden mit Fenstern versehenen Räumen konnten die herrschaftlichen Zuschauer die Vorführungen in der Arena verfolgen. Um die Bedeutung der Loge hervorzuheben, befindet sich darüber ein prächtiges, in Stuck ausgeführtes Doppelwappen. Die eine Hälfte zeigt das anhaltische Wappen, die andere das württembergische, bezugnehmend auf die zweite Gemahlin des Auftraggebers aus dem Hause Württemberg-Weiltingen. Darunter ist die königliche Ordenskette des Ritters vom Elefanten zu sehen. Fürst Johann August erhielt diese hohe Auszeichnung 1701 vom dänischen König Friedrich IV.

Mit Erlöschen des Zerbster Fürstenhauses erübrigte sich die Nutzung als Reitbahn. Seit 1918 dient das Gebäude verschiedensten kulturellen Zwecken. Zahlreiche Ausstellungen, darunter die Anhaltische Gartenbau- und Landeskultur-Ausstellung 1925 sowie die Gewinnausstellungen der alljährlichen Zerbster Pferdemarktlotterie, fanden hier statt. Für die Anhaltischen Musikfeste bildete die Reitbahn einen besonders repräsentativen Rahmen. Durch die sehr gute Akustik waren Konzerte hier besonders beliebt. Während des 2. Weltkrieges befand sich im Gebäude eine Auslagerungsstätte der Junkers Flugzeugwerke Dessau.

Den schweren Luftangriff auf Zerbst/Anhalt überstand das Gebäude. Schäden entstanden nur durch die enormen Druckwellen der Explosionen und durch herumfliegende Trümmerteile. Das teilweise abgedeckte Dach konnte mit Ziegeln von den Wehrgängen der Stadtmauer ausgebessert werden, die Fenster erhielten eine Notverglasung. Beschädigte Stuckaturen wurden recht schnell wiederhergestellt. Schon 1947 fanden in dem einzig übriggebliebenen großen Saal in der Innenstadt wieder Konzerte statt. Anlässlich der 1000-Jahr-Feier von Zerbst/Anhalt 1949 konnte hier eine erste Ausstellung mit Exponaten des ehemaligen Schlossmuseums gezeigt werden.

Der anschließende Umbau zum Theater mit Bühne, Garderobe und Zuschauerraum beeinträchtige die ursprüngliche Raumwirkung erheblich. Der einst durchgängig konzipierte Raum und die sich über die gesamte Fläche erstreckende Stuckdecke wurden in drei Bereiche zerteilt. Die Einweihung der nunmehrigen Stadthalle als kulturelles Zentrum erfolgte am 21. Januar 1951. Ende der 60er Jahre und Mitte der 80er erfolgten Umbauten zur Mehrzweckhalle und Modernisierungsarbeiten. Der kleine, im östlichen Teil des Gebäudes gelegene Saal, der durch den Einbau von Garderoben entstand, trägt zu Ehren des berühmten Zerbster Hofkomponisten Johann Friedrich Fasch den Namen Fasch-Saal.

Seit 1995 erfolgten umfangreiche Sanierungsarbeiten, um das Zeugnis barocker Baukunst zu bewahren und für Gäste attraktiver zu machen. Die feierliche Einweihung fand am 8. September 2002 statt. Nun berichtet das Gebäude auch weiterhin vom einstigen Glanz des fürstlichen Hofes und vom handwerklichen Können der Meister der damaligen Zeit.